Das definitive Programm!

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Mit Freude präsentieren wir euch das diesjährige Programm. Neben sechs interessanten Inputs und Workshops, haben wir auch eine Austellung zu den neuen Bundeslagern sowie veganes Essen und Getränke.

Um zu entscheiden welche Programmpunkte ihr sehen wollt, empfehlen wir euch die Abstracts, die im Programm und gleich oben im Menu verlinkt haben.

Bis bald!

Auch 2019 gibts Kritik!

Einige werden es bereits gehört haben: Auch 2019 wird es eine Lange Nacht der Kritik in Zürich geben. Dieses Jahr werden wir wieder als Gegenveranstaltung am gleichen Abend, am 14. November, Raum an der Universität einnehmen.

Passend zu den aktuellen Organisierungen wird Bettina Dyttrich eine Veranstaltung zu Ökofeminismus und der Verbindung der Kämpfe und Bewegungen halten. Das  Hochschulkollektiv für den feministischen/Frauen*streik, das sich auch über den 14. Juni hinaus organisiert, wird ebenfalls einen Workshop vorbereiten. Auch mit der Bildung befassen wir uns dieses Jahr wieder: Stefan Lüönd wird eine Veranstaltung zur „Neuen Autorität“ an den Volkschulen halten und Peter Streckeisen ist dieses Jahr wieder mit dabei und spricht zur sozialen Selektion im akademischen Kapitalismus. Ausserdem wird es eine Veranstaltung zu den Unistreiks im Kosovo geben.

Zum ersten Mal machen wir dieses Jahr das Herbstsemester gleich zum Langen Semester der Kritik! Am 19. September war der Berlin Busters Social Club an der Uni und präsentierte die Praktik des Ad-Busting und besprach sie mit den Anwesenden. Im Oktober wird eine Veranstaltung im Nachgang zum feministischen Streik folgen und für den Dezember haben wir auch noch etwas im Köcher.

Gegen die Vereinzelung und den Leistungsdruck! Gemeinsam reflektieren, diskutieren und organisieren! Denn: Von innen sieht auch ein Hamsterrad wie eine Karriereleiter aus…

Solidarität mit der Langen Nacht der Kritik St.Gallen

FHS gegen kritische Studierende
Die Fachhochschule St. Gallen (FHS) will kritische Stimmen unterbinden. Sie hat die „Lange Nacht der Kritik“ aus ihren Räumlichkeiten verbannt. Es steht schlecht um Kritik in der Bildung.

Die (Fach-)Hochschullandschaft hat sich mit der Bologna-Reform in einen neoliberalen Sog begeben. Bildungsinstitute richten ihre Wissensproduktion immer stärker an den Marktbedürfnissen aus und entledigen sich der letzten humanistischen Bildungsideale. Ein besonderer Ausdruck dieser Entwicklung ist die „Lange Nacht der Karriere“ an Hochschulen, mit welcher unmissverständlich ein neuer neoliberaler Studierenden-Typus adressiert wird, der seiner Passung zur Kapitalverwertung entgegenstrebt. Gegen diese Tendenz organisieren Studierende seit drei Jahren die „Lange Nacht der Kritik“ und dies mittlerweile an den Universitäten Zürich, Bern und Basel und an der Fachhochschule St. Gallen.

Ein anderer Ausdruck der neoliberalen Umformung des Hochschulwesens ist, dass sich die Bildungsinstitute in Konkurrenz zueinander aufstellen und sich um klare Profile im Kampf um die Bildungsmarktanteile bemühen. Offenbar versucht die FHS den aktuellen rückschrittlichen Zeitgeist kreativ mitzugestalten und profiliert sich als erste Bildungsinstitution mit der Unterbindung der Langen Nacht der Kritik in ihren Räumlichkeiten. Das Verbot ist eine direkte Reaktion des Rektors Prof. Dr. Sebastian Wörwag und der Leiterin des Fachbereichs Soziale Arbeit Prof. Dr. Barbara Fontanellaz auf eine Protest- und Informationsaktion des Forums für kritische Soziale Arbeit (Kriso) auf dem Gelände der FHS. Diese hatte mit einer Transparent-Aktion und Flugblättern auf die drohende Ausweitung von Überwachungskompetenzen durch Sozialversicherungen und private Versicherungen (Referendum gegen „Sozialdetektive“) aufmerksam gemacht. Damit haben die AktivistInnen als Profesionelle der Sozialen Arbeit fachlich Position bezogen und insbesondere Studierende der Sozialen Arbeit ansprechen wollen. Obwohl diese Aktion formell und inhaltlich nichts mit der Langen Nacht der Kritik zu tun hat, reagierte die FHS-Leitung mit dem Verbot der letzteren. Und ihre Begründung spricht Bände über den Missstand und den Durchmarsch neoliberaler Ideologie in der aktuellen Bildungspolitik: Die FHS sehe sich „wirtschafts- sowie sozialpolitisch einer Mehrperspektivität verpflichtet. Sie befähigt ihre Studierenden zu differenzierter Reflexion und fördert eine offene Diskurskultur. Als Organisation des staatlichen Bildungswesens bezieht sie selbst öffentlich keine politische Position.“

Es hat tatsächlich realsatirisches Potential, dass eine FHS-Leitung die Lange Nacht der Kritik mit dem Verweis auf wirtschafts- und sozialpolitische Mehrperspektivität verbietet – eine Veranstaltung, die ja eben gerade eine Reaktion ist auf den privilegierten Sonderzugang an Hochschulen für so wirtschafts- und sozialpolitisch neutrale Firmen wie KPMG, pwc oder accenture. Eine Hochschulleitung, welche einer Veranstaltung über den Zusammenhang von Bildungsmarkt und dem Aufkommen des Begriffs des Lebenslangen Lernens (so die Veranstaltung der Langen Nacht der Kritik) den bildenden Charakter abspricht – ja diese sogar in ihren Räumlichkeiten verbietet – und sich hingegen nicht zu schade ist, ihr Bildungsverständnis durch „Meet and Greets“ mit global führenden Unternehmens- und Steuerberatern, durch „Fotoshootings“ mit „Career Center Teams“, durch Veranstaltungen zur „praktischen Anwendung von mentalen Techniken“ im Bewerbungsprozess und Veranstaltungen zur ganz mehrperspektivischen Beantwortung der Frage, ob Drogen ein „Hope or Hype“ für die Selbstoptimierung im Studium darstellen zu pervertieren, ist im Bildungswesen vielleicht einfach im falschen Business.

Wir sind uns mehr als bewusst, dass ein politisch rauer Wind weht. Der neoliberale Angriff auf die Gesellschaft hat auch die Bildungsinstitutionen unter finanziellen Druck gebracht. Und das rasante Wiederaufkommen reaktionärer und faschistischer politischer Strömungen in Europa und weltweit setzt auch Schulleitungen politisch unter Druck. Genau deshalb braucht es Widerstand gegen diese ökonomischen und politischen Zerstörungskräfte und das Organisieren der Langen Nacht der Kritik ist ein Teil dieses Entgegentretens. Dabei versucht die Lange Nacht der Kritik eine alternative –fachliche und wissenschaftliche – Perspektive inmitten einer absolut hegemonialen Präsenz wirkungsmächtiger neoliberaler Ideologien zu bieten. Wer angesichts der aktuellen politischen Situation, in welcher eine SVP für ihre rassistische Propaganda einfach mal das Titelbild der auflagenstärksten Tageszeitung kauft und in welcher eine UBS sich einfach mal ein Institut der Uni Zürich aufkauft (um nur zwei Beispiele zu nennen) selbstorganisierte kritische Veranstaltungen von Studierenden als tendenziös verurteilt, müsste wohl hinter die Geschichtsbücher.

Deshalb diskutieren wir die Situation der FHS heute auch an der Langen Nacht der Kritik an der Universität Zürich und machen unsere Besucher*innen darauf aufmerksam. Wir wünschen unseren Kolleg*innen in St. Gallen heute viel Erfolg bei der Durchführung der Langen Nacht der Kritik im alternativen Raum des Kulturkonsulats.

Nicht so mehrperspektivische Informationen und Reaktionen finden sich hier:
https://www.saiten.ch/fhs-keine-lust-auf-kritik/
https://www.saiten.ch/soziale-arbeit-ist-politisch/
https://www.saiten.ch/der-paternalistische-bilck/
www.kriso.ch

VON ZÜRICH ÜBER BASEL BIS ST.GALLEN!
SOLIDARITÄT HEISST WIDERSTAND!
NO BORDER, NO NATION, FREE EDUCATION!

Solidaritätsnachricht für Journalist Max Zirngast. Gefangener der Erdogan-Diktatur

photo6035360943275355832.jpgIn aller Frühe wurden am 11. Sept. 2018 in Ankara der Journalist Max Zirngast verhaftet. Dieser studierte bis 2015 in Wien, seiner Heimatstadt, Politikwissenschaften. Seither ist er in der Türkei neben seinem Studium u.a. als Korrespondent für das deutschsprachige re:volt magazine und das englischsprachige Jacobin magazine tätig. Beide Zeitschriften kritisieren die Erdogan-Diktatur radikal von links.

Wie alle freien und demokratischen Medienprojekte in der Türkei,

Wie alle Menschen, welche sich für die Lohnabhängigen und Unterdrückten dieser Welt einsetzen

Wie alle Kräfte, welche die demokratische Selbstbestimmung und Gleichwertigkeit aller Menschen ins Zentrum stellen

wird der Journalist Max Zirngast stellvertrend für alle diese Menschen politisch verfolgt. Seine Verhaftung ist Teil einer grossangelegten Aktion gegen alle demokratischen Kräfte in der Türkei.

An der «Langen Nacht der Kritik» kritisierten wir die «Lange Nacht der Karriere» als Ausdruk einer Ökonomisierung der Hochschule hin zur karriereorientierte Ausbildungsstätte für den kapitalistischen (Arbeits-)Markt. Aber eine Kritik an einem Gesellschaftssachverhalt wie der Ökonomisierung der Hochschulen, welche nicht von Zeit zu Zeit auch grössere Zusammenhänge in den Blick nimmt, ist seines eigenen Anspruches unwürdig. Und eine Kritik, welche nicht die Wärme der Solidarität in sich trägt, ist zahnloses intellektuelles Ränkelspiel.

Zeigen wir uns also an einem Tag solidarisch mit den Menschen in Sengal, Kobane, Amed, Aleppo oder dem Mittelmer, welche einen Genozid oder Massenmord durch türkische Militäreinheiten, den Daesh, den Schergen Assads oder der europäischen Grenzmilitäreinheiten Frontex befürchten oder täglich erleiden müssen. Und zeigen wir uns aber auch an an Tagen wie heute solidarisch mit «nur» einem individuellen Schicksal.

Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass Teile dieser heutigen Solidaritätsbotschaft eine Kopie darstellen. Vor zwei Jahren solidarisierten wir uns mit Kerem Schamberger, einem anderen unermüdlichen Berichterstatter über die Situation in der Türkei. Diesem wurde auf Grund  seiner kommunistischen Gesellschaftsvision eine Anstellung an der Uni München vom bayerischen Verfassungsschutz zeitweilig verhindert. Diese Verbindung der beiden Solidaritätsbekundungen ist nicht nur eine Reminiszenz an die persönlichen Bekanntschaft von Kerem und Max und deren gemeinsamen Fokus auf den türkischen Staat. Diese Verbindung steht auch sinnbildlich für ein politisches Kontinuum in der Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft: In einem ruhigeren Stadium wird oppositionellen, progressiven Kräften « nur » die Anstellung verhindert, in seiner autoritären Version, werden diese Menschen mit Hilfe einer politischen Gesinnungsjustiz weggesperrt. Randnotiz: Die basler Staatsanwaltschaft versucht sich zur Zeit mit der Verfolgung der Basel18 in der zweiten Variante.

Der Natur der Sache nach sind Menschen mit einer sozialistischen Gesellschaftsvision, wie Max Zirngast oder Kerem Schamberger internationlistisch orientiert und als solche eingebettet im Kampf gegen die bestehenden Verhältnisse. Die Medienprojekte re:volte magazine und Jacobine magazine, bei welchen Max mitarbeitet, haben sich über die letzten Jahre als zuverlässige und journalistisch hochstende Quellen zu eben erwähntem Konfliktgebiet verdient gemacht. Durch ihre Arbeit zeigen sie einem grossen Publikum die Bigotterie und Mittäterschaft der türkischen, europäischen , russischen oder US-Amerikanischen Regierungen. Durch diese unbeugsame internationalistische Ausrichtung werden solche Menschen Angriffsziel von reaktionären Organisationen wie den Nachrichtendiensten oder vorliegend der türkischen Regierung. Wenn wir Solidarität mit Menschen wie Max Zirngast zeigen, bedeutet das gleichzeitig immer auch Solidarität mit der Zivilbevölkerung aktuell insbesondere im mittleren Osten und Menschen auf der Flucht aber auch Solidarität mit allen progressiven Bewegungen in der Türkei, im mittleren Osten und überall.

Bevor wir zum Ende dieser Solidaritätsbotschaft kommen noch zwei Hinweise :

Am selben Morgen vom 11. September wurden auch Hatice Göz und Mithat Can Türetcen die Freiheit genommen. Diese Solidaritätsbotschaft gilt auch ihnen! Ebenso gilt diese Botschaft auch  den beiden in Deutschland wohnenden Patrick K und Hozan Cane. Diese beiden hatten keine öffentliche und politische Aufmerksamkeit und ihnen wurde vom türkischen Staat prompt für sechs Jahre die Freiheit genommen. Dies versinnbildlicht auf tragische Weise, wie wichtig Solidaritätsarbeit ist. Nicht nur für die Moral der Betroffenen, sondern auch um den Handlungsspielraum der politischen Gesinnungsjustiz möglichst fest einzuschränken.

 

Von unnützen Gesprächsangeboten und fehlenden Stiften lautet der erste Gefängnisbrief von Max Zirngast. Dieser beginnt folgendermassen:

«Ich bin euch allen zu Dank verpflichtet; euch allen tausend Dank und viele Grüße. Im Angesicht eurer Freundschaft und eurer Solidarität finden sich keine Worte. Ich glaube nicht, dass ich so viel Interesse und Einsatz verdient habe.»

Das scheinen unzählige Menschen anders zu sehen.

 

Lieber Max.

Stellvertrend für Hatice Göz und Mithatcan Türetken, stellvertretend für alle politischen Gefangen in der Türkei und überall sei dir durch alle Gefängnismauern der Welt zugerufen: Max! Deine unermüdliches Engagement für eine Menschheitsgemeinschaft, welche auf den Werten der demokratischen und kollektiven Selbstbestimmung, der Geschwisterlichkeit und der Solidarität aufbaut, hat dich in den Knast gebracht. Aber eben jenes Engagement hat dich auch in unseren Herzen verewigt. Deswegen ist dir nicht nur unser Interesse und Einsatz sondern halt ebenso unsere tiefe Dankbarkeit und Solidarität gewiss.

Freiheit für Hatice Göz, Freiheit für Mithatcan Türetken, Freiheit für alle politischen Gefangen. Freiheit für Max Zirngast.

Auch diesen Herbst wieder!

Die Lange Nacht der Kritik wird auch dieses Jahr durchgeführt. Diesmal lassen wir es uns nicht nehmen und treffen uns zur Kritik am selben Abend, wie sich andere auf ihre Karriere ausrichten lassen.

 

Am 22. November in den SOE Räumen

 

Ja, wir kehren wieder in die farbigen Container beim Uni Hauptgebäude zurück. Das Programm folgt in Kürze!